Presse
Wir waren auch schon in der Zeitung. Dies ist der originale Text.
Paper Penny erobert
Ebsdorfergrund
Auch Bürgermeister erlag Charme einer Comic-Figur
- Produzenten liebäugeln inzwischen mit großen Verlagen
EBSDORFERGRUND. Wenn Bürgermeister Andreas Schulz über Paper Penny redet, dann kommt er ins Schwärmen. Das frische Mädel mit Pferdeschwanz und Baseball-Kappe hat es dem Verwaltungschef angetan. Paper Penny ist für seine Gemeinde das gleiche wie Marianne für Frankreich oder Michael für Deutschland: "eine Identifikationsfigur". Seit 2 Jahren maschiert dieser Blondschopf aus der Comic-Welt exklusiv durch die Ebsdorfergrund-Nachrichten und hat in dieser Zeit viele Herz erobert.
Wer im Melderegister von Ebsdorfergrund nach Paper Penny fahndet , wird dort vergeblich suchen. Dennoch kann die etwa 18-Jährige mit Fug und Recht als Bürgerin dieser Gemeinde gelten. Genaugenommen stammt Paper Penny aus dem Ortsteil Hachborn, denn dort leben ihre geistigen Eltern: Isolde Wallon und Joachim Pawlak haben die Figur erfunden. Dass sie in den regelmäßig erscheinenden Episoden als Zeitungsausträgerin ihr Taschengeld verdient, ist mehr als Zufall. "Zusammen mit meiner Tochter war ich ein Zeit lang unterwegs, um Zeitungen auszutragen", schildert Isolde Wallon die Umstände von Pennys Entstehung. "Damals hab ich nach einer Möglichkeit gesucht, den Abonnenten in meinem Bezirk auf nette Weise Ostergrüße oder Informationen oder Informationen über den Leser-Stammtisch zukommen zu lassen. "In ihrem Bekannten Joachim Pawlak fand sie jemanden, der über zeichnerische Fähigkeiten verfügte. Dies war die Geburtsstunde einer erfolgreichen Comic-Figur mit ungewöhnlich engem Wirkungskreis.

Lokaler Charakter
Ihr lokaler Charakter war von Anfang an ein
unbestreitbarer Vorzug. Paper Penny kämpft nicht wie die Größen ihres Genres
gegen römische Invasoren, die Daltons oder Kater Carlo. Zusammen mit ihrem Hund
Cha muss sie lediglich die Tücken des mittelhessischen Alltags meistern. Mit
Einfallsreichtum und Humor zeigt Penny ihren Lesern, wie man Pepp in ein
langweiliges Fest bringt oder wie die Feuerwehr irrtümlich eine Grillparty
unter Wasser setzt. Joachim Pawlak:" Manchmal finden sich Anspielungen auf
Ereignisse oder ortsbekannte Personen in unseren Cartoons." Wenn
beispielsweise der "rote Blitz" auftaucht, dann könnte sich dahinter
durchaus der BMW von Bürgermeister Schulz verbergen. Ob dies der Grund dafür
ist, dass der Verwaltungschef von Ebsdorfergrund einer der größten Fans von
Paper Penny wurde? Auf jeden Fall hat er sie ins Gemeindeblättchen geholt, und
das war ihr bislang größter Karrieresprung. Der Bürgermeister war der
Auffassung, dass ein solcher Sympathieträger gut zu seiner jungen Gemeine
passt. Da war es auch nur konsequent, dass Penny Ende des vergangenen Jahres zur
Feier des 25. Geburtstages von Ebsdorfergrund eingeladen hat. Seit dem gibt es
Penny auch auf Tassen, die Leute erkundigen sich gelegentlich nach ihrem
Wohlergehen, und die Produzenten sind zur "Paper Penny Connection
avanciert. Und obwohl das schon ganz schön professionell klingt, betrachten
beide ihre Betätigung im Comic- und Graphik-Sektor doch nach wie vor als Hobby.
Paper Penny ist die erste Figur, die der gelernte Bauzeichner und praktizierende
Dekorateur Pawlak entworfen hat. Ein Comic-Sammler ist er schon lange, sagt
Pawlak und bekennt sich zu traditionsreichen franko-belgischen Linie dieser
Kunst. Bereits früher habe er sich mit dem Gedanken getragen, selbst zu
zeichnen, doch diese Pläne sind im Sande verlaufen. Es bedurfte der Anregung
durch Isolde Wallon, damit Pawlak zum Stift griff. Und diese Zusammenarbeit
funktioniert ausgesprochen gut. Penny hat sich seit dem prächtig entwickelt und
ist aus dem Leben der beiden nicht mehr wegzudenken. Die Veröffentlichung der
Streifen in den Ebsdorfergrund-Nachrichten ist die beste Werbung für die
"Paper-Penny Connection". Unter diesem Titel wurden inzwischen auch
Anzeigen, Grußkarten und Logos gestaltet. Mit dem "Raaab-Män", der
seit Januar in dem monatlich erscheinenden Magazin "Der Grund" veröffentlicht
wird, ist eine 2. Cartoon-Serie dazugekommen. Und es gibt weitere Pläne die
Produktion auszuweiten. Joachim Pawlak trägt sich mit dem Gedanken, die
Penny-Story in Richtung Vergangenheit auszuweiten: Hund Cha wird eines Tages im
Garten von Paper Penny eine Kiste ausgraben, in der sich Tagebücher ihres
Ur-Urgroßvaters Will finden. Aus den Aufzeichnungen ist zu erfahren, dass sich
einst Wege einer unglücklichen Liebe in den Wilden Westen abgesetzt hat, wo
sein Leben abenteuerliche Züge annahm. Ein Ohrring in Herzform, der -Fans
wissen es längst- das Markenzeichen von Penny ist
, spielte dabei eine entschiedene Rolle. Doch mehr
will der Zeichner nicht verraten. Nur so viel noch: Erste Entwürfe dieser Serie
sind bereits auf Papier gebracht, und große Verlage haben nach Auskunft von
Pawlak und Wallon bereits ihr Interesse an den Plänen bekundet. Gelingt der
Hobby-Connection aus der 9000 Einwohner-Gemeinde zwischen Marburg und Gießen
der Sprung in den Comic-Olymp? Spätestens dann ist Schluss mit der Produktion
am Küchentisch, wo Paper Penny bislang entstand. Doch wie immer dieses
gemeinsame Abenteuer von Will, Isolde und Joachim ausgehen wird: Paper Penny
selbst wird dem Ebsdorfergrund nicht untreu werden. Sie bleibt -den Bürgermeister
wird freuen- kommunal und exklusiv.
Gießener Anzeiger, 16 März 2000
Text: Przbilla
Bild: Przbilla